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13. April 2000

Holperweg durch die Steinwüste - Benzinmangel im Atlasgebirge - Marrakech

7.30 Uhr

Ich dämmere langsam vor mich hin. Da klopft doch was. Ich konzentriere mich darauf. Ist nicht sooo weit weg. Ich mache die Augen auf und suche nach der Ursache, die sich als Steineklopfer entpuppt. Auf dem Wall sind Personen, die Steine klopfen, vermutlich für den Straßenbau. Ein kleiner Junge ist auch dabei und kommt näher, als er sieht, daß ich wach bin und herumlaufe (ich fotografiere ein bißchen). Andrew wird solangsam auch wach.

Wir versuchen, mit dem Jungen zu kommunizieren, er gibt aber keinen Ton von sich. Wir teilen unser Frühstück mit ihm und schenken ihm noch eine Flasche Wasser mit der Anweisung, seinem Vater, der dort oben arbeitet, auch was abzugeben.

Morgensport

Auf unserer Karte ist eine Strecke eingezeichnet, die direkt nach Zagora führt. Allerdings nicht als befestigte Straße. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Nach Tazzarine fängt die Schotterpiste an, wir wechseln und ich schleiche im ersten und zweiten Gang durch die Landschaft, immer mit der Angst, der grobe Schotter könnte unseren Reifen schaden.

Nach einem Kilometer wird es aber besser und wir beschließen, einfach mal weiter zu fahren. An den Abbiegungen, an denen die Schilder fehlen, entscheide ich per Kompaß und Karte, welche Richtung wir einschlagen. Plötzlich kommt ein kurzes aber starkes Gefälle, unten fängt das Auto an zu schwimmen, Sand ist unter uns. Immer schön auf dem Gas bleiben! Dies Hürde genommen, kommen wir ein Kilometer weiter wieder an eine Abzweigung.

Links, der weiterführende Weg hat sehr tiefe Fahrrinnen, wenn ich in diesen fahren würde, währe dies das Aus unseres Fahrzeugbodens. Rechts weiter bringt nichts, führt nicht an unser Ziel. Ein Landrover kommt entgegen. Der Fahrer ist ein Einheimischer, die Fahrgäste Touris.

Er rät uns dringend ab, es zu versuchen und weiterzufahren, das Problem sei erst noch vor uns, ein Pass (Tizi-n-Tafilalet)über einen Bergrücken, unmöglich für unser Fahrzeug. Da dies kein Toyota ist und uns auch nicht danach ist, das Unmögliche möglich zu machen drehen wir halt wieder um und fahren zurück auf die Straße über Mellal nach Tansikht. Dort setzen wir uns erst mal in ein Café, Lagebesprechung halten. Wir wollten ja ursprünglich über Zagora fahren, jetzt mußten wir ein Stück drumrum. Um jetzt wieder nach Süden fahren, nur um nach Zagora zu kommen, wären 120km Strecke. Unsere Reiseführer versprachen auch nichts anderes als das, was wir bisher gesehen haben. Also kommen wir zum Schluß, daß wir wieder zurück nach Marrakech und dann über Asni nach Taroudant fahren, da dies in unseren Reiseführern als schöne Strecke über das Atlasgebirge beschrieben ist.

Erkläre mir mal einer, warum die solche Streifenacker machen. Reine Schoenheit wird nicht der Grund sein.

Schade Drum.

Interessante Formationen, aber nicht sehr einladend, hier wandern zu gehen.

In Ouarzazate fahren wir an einer Tankstelle vorbei, Andrew fragt mich, ob wir vielleicht umdrehen sollten um noch zu Tanken. Ich schaue in die Karte. Da sind leider keine Tankstellen eingezeichnet, eine Ortschaft namens Taddert auf der Strecke sieht jedoch groß genug aus, um eine Tankstelle zu beherbergen. Bis dahin schaffen wir es auf jeden Fall noch, die Tankuhr zeigt ja auch noch ein Drittel an. Also finde ich, wir könnten es wagen, weiterzufahren. 20 km vorher fängt die "Low Fuel" - Anzeige an zu blinken. Allerdings nur sporadisch, je nach dem, ob wir eine Links- oder Rechtskurve fahren. Berg hoch, Berg runter. Die Kilometer wollen nicht vorbeigehen, die Tankanzeige zeigt schon nichts mehr an. So langsam wird es auch noch dunkel. Endlich: Taddert, das Ortsschild. Erst kommen 10 Souvenirstände. Dann - juhu, ein weiters Schild: Taddert. Allerdings ist dies das Ortsausgangsschild. Toll. Das war's dann. Laut Karte sind die nächsten Ortschaften noch kleiner, Ait Ourir als nächster größerer Ort noch 60km entfernt. Wir fragen an einem Kiosk nach Superbenzin. Der meint, wir sollten es 2km zurück versuchen, dort ist eine IVECO--Station. Diese Lkws sind uns auch schon aufgefallen, allerdings war dort keine Zapfsäule. Aber wir fahren zurück, die Wahrscheinlichkeit ist dort höher, zu Treibstoff zu kommen, als irgendwo anders. Erster Kiosk: "Non, no gasoline". Der zweite meint das gleiche. Der dritte bietet uns an, 10l Super für 100 DH zu besorgen, wir müßten nur etwas warten. Naja, Zeit haben wir ja. Vermutlich hat er es aus einem anderem Auto rausgesaugt. Das Problem das fehlenden Trichters lösen wir mittels einer abgesägten Flasche. Mit diesen 10l kommen wir auch bis Marrakech.

Es ist nicht ganz einfach, in die Innenstadt zu kommen, es gibt leider keine Beschilderung, die uns definitiv zeigt, wo wir lang fahren müssen. In der Nouvelle Ville sind alle Hotels voll, also checken wir wieder da ein, wo wir schon vor fünf Tagen waren. Diesmal bekommen wir sogar ein Zweibettzimmer (kein Doppelbett). Die Führer, die es diesmal versucht haben, uns irgendwo hinzuschleppen haben schnell gemerkt, daß bei uns nichts zu holen ist. Man muß nur zielstrebig genug durch die Gassen laufen.

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© Rafael Bräg