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8. April 2000 Auf geht's nach Marokko - Willkommen in Tangier!7.05 UhrAufstehen, Frühstücken, packen.7.35 UhrIch gehe raus und treffe auf ein Mädel, das auf das Taxi wartet, das ihre Freundinnen besorgen wollen, sie wollen auch an den Bahnhof, mit dem gleichen Zug weg. Also warte ich mit ihr.7.45 UhrDie Mädels lassen auf sich warten, das Risiko wird immer größer, daß wir den Zug nicht mehr bekommen. Also verlasse ich sie und laufe zur Haltestelle. Im Bus gibt es wieder leichte Verständigungsprobleme. Ich würde gerne mein 24-Stunden-Ticket von gestern verwenden, die 24h sind ja noch nicht um. Doch der schlaue Stempelautomat meldet immer irgendeinen Error. Der Busfahrer redet auf mich ein, ich verstehe natürlich wieder nur Spanisch. Nach einigem hin und her kann ein weiterer Fahrgast mich aufklären. Ich hatte die Karte falsch herum einsteckt. Wohl nacheinander in allen vier falschen Richtungen. Irgendwann klappt es dann doch.8.18 UhrDer Zug kommt, die Mädels nicht. Pech für sie.Die Zugfahrt ist die letzte halbe Stunde sehr schön. Wir schlängeln uns durch Bergtäler, es ziehen Kakteen, Palmen und verschlungene Feldwege an uns vorbei. Sicher auch mit dem Motorrad sehr schön hier zu reisen.
Algercicas13.13 UhrIm Bahnhof gibt es zwei Verkaufsstellen für Fährentickets. Hin und Rück kosten 4900 Pst. Auf dem Weg zum Hafen ist alles voll mit Geldwechselstuben und Ticketverkaufsstellen. Die Ortschaft sieht nicht sonderlich romantisch aus. Kein Platz, an dem ich mich länger als nur unbedingt nötig aufhalten möchte. Bis die Fähre ablegt habe ich noch etwas Zeit und kaufe Fanta, Brot und Chips. Der Zollschalter am Gateway hat noch nicht geöffnet, also setze ich mich auf eine Bank neben einen Backpacker. Er heißt Andrew, ist Ami und fragt mich als zweites: "Dou you have a family?" Was soll man darauf antworten? So kommen wir ins Gespräch.Wir gehen durch den Zoll, geht sehr schnell, ich bekomme nicht mal einen Stempel (zu schnell, wie sich herausstellen wird).
Auf dem Schiff ist es sehr zugig, nach einer halben Stunde gehen wir unter Deck. Schaukel, Schaukel. Andrew ist müde, er hatte in seinem Nachtzug aus Madrid nur 1-2h Schlaf. Das Schiff legt an, wir gehen ein paar Stockwerke tiefer, um dort hin zu kommen, wo wir unser Gepäck einschließen lassen mußten. Doch irgendwie kommen wir zu weit runter, landen in dem Level, in dem die Autos stehen. Im Laufschritt zur nächsten Treppe (immerhin wollen wir hier irgendwie raus). Dabei stolpere ich über eine der Ketten, die zwischen den Autos liegen und stoße recht heftig gegen einen Geländewagen. Dabei geht seine Alarmanlage an. Was soll man da machen? Nichts, immerhin gehen die erfahrungsgemäß auch wieder von alleine aus. Auf dem richtigen Deck angekommen, sind wir die letzten, die ihre Sachen aus dem Stauraum holen. Es stellt sich aber heraus, daß wir nichts verpaßt haben, 'No stamps -- no entrance'. Wir füllen Zettel aus und händigen diese mitsamt unseren Passports der Police aus. Unmut unter den Passagieren. Einer meint, dies wäre die marokkanische Art, an unser Geld zu kommen. Die seien doch alle korrupt. Wir lernen ein Pärchen kennen, Eugene aus Neuseeland und Lucy aus England. Mit seinem Akzent habe ich leichte Verstehensprobleme, in Neuseeland wird wohl ein für meine Ohren ungewohntes Englisch gesprochen. Andrew ist sehr gelassen, was die Sache mit den Pässen angeht, er kommt gerade aus Istanbul, das härtet wohl ab. Stellt sich dann auch als sehr unproblematisch heraus, Wir bekommen unsere Pässen und können problemlos das Schiff verlassen.
Afrika!Zum ersten Mal berühre ich einen anderen Kontinent als Europa! Doch, so stellt man es sich eigentlich nicht vor: Es regnet! Das hört allerdings bald auf, war nur zur Begrüßung. Draußen am Eingang steht eine Official Guide. Die erzählt uns, daß man für ein Taxi zum Bahnhof normalerweise 50DH (5 Dirham = 1DM) zahlt. Mehr wäre zu viel. Wir verlassen de Bahnhof in Richtung Stadt. Die "Guides" drängen und streiten sich um uns. Die anderen drei wollen ein Taxi, ich würde lieber laufen (gut, daß ich es nicht versucht habe, es erweist sich doch als längere Strecke). Vor noch nicht allzulanger Zeit fuhr der Zug noch am Hafen ab. Uns wurde erzählt, der Bahnhof wurde umverlegt, weil es im Dunkeln zu viele Unfälle mit Bettlern gab, die sich auf den Gleisen aufgehalten haben. Hat auf jeden Fall der Taxiindustrie einen Aufschwung gegeben.
Lucy hat auch schon Geld (es ist verboten, marokkanisches Geld ein- bzw. auszuführen),
mit dem wir eine Fahrt zum Bahnhof unternehmen (40DH). Dort geben wir unser Gepäck in
Verwahrung und reservieren uns 2/3 eines Schlafabteils nach Marrakech. Ich hatte eigentlich
nicht vor gleich so weit runter zu fahren, es sprechen aber viele Gründe dafür: Lucy,
Eugene und Andrew wollen gleich nach Marrakech und in Gesellschaft reist sich hier offensichtlich
besser, man kann ja auch das Land von hinten her bereisen, Tangier sieht nicht sehr freundlich aus... Man möchte uns natürlich auch an den Tisch setzen, Hunger hätten wir auch. Unsere Bedingung: wir hätten gerne eine Karte, auf der eindeutig steht, zu welchem Geld man was bekommt. Nach zehn Minuten vergeblichen Wartens verlassen wir das Restaurant wieder. Der "Guide" will natürlich sein Baktisch. Da wir nichts aßen, bekam er vom Restaurant natürlich auch keinen Finderlohn. Also wollte er was von uns. Andrew ließ sich erweichen, sonst würde er vermutlich noch heute hinter uns herlaufen. Ich habe genug von der Medina und schlage vor, daß wir uns in Richtung Nouvelle Ville aufmachen, die liegt auch in Richtung Bahnhof. Solangsam meldet sich der Hunger merkbar, da kann uns ein "Guide" natürlich wieder weiterhelfen. Er führt uns an einen Stand, redet mit dem hinter der Theke und übersetzt uns, ein Hamburger mit Salat koste 49DH, einfache Rechnung, 10DM. Kommt mir sehr komisch vor. Andrew will schon einwilligen (In Amiland währe das ja auch ein Schnäppchen), mein waches Auge hat aber ein Schild entdeckt. Arabisch Schriftzeichen kann ich zwar nicht lesen, wohl aber arabische Zahlen. Auf dem Schild eine Liste, links arabische Schrift rechts arabische Zahlen. Das, was mir nicht gefällt, ist, daß 25 die höchste auf dem Schild vorkommende Zahl ist. Andrew versteht was ich meine, als ich ihm das Schild zeige und wir verlassen den Stand. Unser "Guide" wird böse, als wir ihm erzählen, daß wir seinen Betrug durchschaut haben, will für seine Künste dennoch Geld. Wir können uns seiner Anwesenheit entledigen und gehen weiter Richtung Bahnhof. Irgendwie irritiert mich dieser Teil von Marokko, ich mache kein einziges Foto in Tangier. So langsam wird es dunkel (Straßenbeleuchtung ist keine Selbstverständlichkeit in Marokko). Wir sind ein wenig orientierungslos, es fehlen die Schilder "a la gare". Irgendwo sehe ich buntes Licht. Dieses stellt sich als einem etwas französisch anmutendem Restaurant angehörig heraus. Unter den Glasscheiben der Tische sind arabische Speisekarten, unsere wird sofort gegen eine französische ausgetauscht. Mit der kann ich schon mehr anfangen. Nice Price. Ich bestelle Omelett und Pfefferminztee. Gestärkt entläßt uns das Restaurant wieder in die Dunkelheit. An einem Kreisverkehr bekommen wir ein Taxi, das uns für 8 DH an den Bahnhof bringt. Der Fahrer sieht genauso marode wie sein Benz aus. Unterwegs sammelt er noch ein paar Marokkaner auf, erzählt was von Familie und bringt sie in eine Seitenstraße, die zwar nicht durch elektrisches Licht, wohl aber von Feuerchen am Straßenrand erleuchtet wird. Um die Feuer herum stehen Kinder, die klatschen und singen. Eigentlich könnte man hier super Bilder machen. Trotz ständigen Aufblendens ist es ein Wunder, daß wir nicht in einem der zahlreichen Schlaglöchern (-täler) landen. Die dunkle Kleidung der riesige Frachten transportierenden Fahrradfahrer ist auch nicht unbedingt hilfreich bei der Navigation. Da der Fahrer das offensichtlich nicht zum ersten Mal macht kommen wir ohne Schäden am Bahnhof an. Lucy und Eugene sind schon da, wir holen unser Gepäck (5 DH je Rucksack). Es steht eine Waage da, wir wiegen unsere Sachen. Einsame Spitze: Ich mit 20kg, Eugene 15kg, Lucy 13kg und Andrew 10kg, der hat allerdings einen Teil seines Gepäcks in Spanien deponiert. Der Zug soll um 22.00 Uhr losfahren. Ein sehr aufdringlicher "Gepäckträger" nervt uns, als ob wir so schwächlich aussehen. Er quetscht sich mit uns im Abteil herum, meint, er müßte uns helfen und tut dann so, als hätte er unser Gepäck vom Bahnhof hergetragen. Will natürlich Tip. Ist mit nichts zufrieden und wird auch noch unverschämt. Der Schaffner nimmt mir Interrailticket ab, das gefällt mir gar nicht. Er erzählt mir, er würde es mir morgen wieder geben. Kann mir viel erzählen, ich will mein Ticket wieder. Keine Chance. 22.30UhrAbfahrtszeit. Der Schaffner steht draußen, mit ein paar anderen Uniformierten, die wichtiger aussehen. Letzte Chance: Ich frage einen der roten Anzüge. Der beruhigt mich, das sei normal und gehört so. Na gut. Der Zug fährt an. Der Schaffner springt auf. Das zu sehen hilft mir, die Sorgen zu vergessen (verdrängen?)Die Zeit ist gekommen, ich gegenseitig auszutauschen. Lucy und Eugene haben einen Vorleger für umgerechnet 90 DM erstanden (erstehen müssen?). Der Deutsche, der dem Zoll gegenüber so mißtrauisch war, durfte angesichts sechs Marokkaner in einem Nebenzimmer nach einer Tasse Tee natürlich auch einen Teppich kaufen. Wir teilen uns das Abteil mit einem marokkanischen Ehepaar. Ich schlafe vielleicht vier bis fünf Stunden. Mitten in der Nacht fahren wir an einer hell erleuchteten Chemiefabrik vorbei. Der Gestank ist fürchterlich, die Fahrgäste halten sich Tücher vor die Nase.
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