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19. April 2000

Fès

3.05 Uhr

Der Zug fährt nach Fès ein, für mich heißt es Aussteigen! Was macht man um diese Zeit in so einer Stadt? Ich setze mich ins Bahnhofsbistro, trinke einen Tee und genehmige mir was Süßes. Kostet zusammen 19DH, voll überzogener Preis. Der Fernseher ist auf volle Lautstärke eingestellt, soll einem wohl daran hindern, einzuschlafen. Doch meine Müdigkeit gewinnt den Sieg gegen die Geräuschkulisse.

4.20 Uhr

Die Kundschaft wird rausgeschmissen, sie schließen. Also lauf ich ein Stück. Auf meiner dürftigen Reiseführerkarte ist der Bahnhof nicht eingezeichnet. Da könnte mir natürlich ein Petit Taxi in die Altstadt helfen, bringt mir aber nichts, da man um diese Zeit schlecht ein Hotelzimmer bekommen kann. Gegenüber einer modernen Moschee setze ich mich zu einem Mann, der gerade seinen Morgenkaffee schlürft und bestelle einen Pfefferminztee.

Der kommt wie immer in einer extrem heißen metallischen Kanne, komplett gefüllt mit frischer Pfefferminze, Wasser und viel, viel Zucker. Um fünf wird es langsam hell. Der Mann hat sein Morgengebet hinter und seine Arbeit als Makler vor sich. Er empfiehlt mir, so früh am Morgen besser mit dem Bus (für 2DH) oder einem Taxi zu fahren. Laufen könnte vielleicht gefährlich sein.

Gesagt, getan. Irgendwo südlich der Medina steige ich aus und laufe mittels Kompaß nach Norden. Durch Zufall komme ich an der Kairouine - Moschee vorbei, durch deren geöffnete Türen ich den Innenhof fotografieren kann. Jetzt kann ich auf der Karte auch lokalisieren, wo ich bin (Straßennamen gibt es hier nicht wirklich).

Es ist noch wenig los, fast alle Läden sind noch verschlossen.

6.30 Uhr

Ich bin am Bab Boujeloud und finde auch schnell das Hotel du Jardin Public, das im Reiseführer beschrieben ist. Der Conçierge schläft noch halb und bittet mich, in einer Stunde wiederzukommen. Den Rucksack kann ich im Hotel lassen. Also spaziere ich durch die umliegenden Gassen, kaufe was zu essen, setze mich damit auf eine Treppe und beobachte die Passanten.

Ich komme mir vor, als hätte ich die dreckigsten Schuhe der Welt. Jeder will sie mir putzen. Ich sollte meine Tevas anziehen. Da ist nichts dran, was man putzen könnte.

8.00 Uhr

Ich bekomme ein Zimmer für 50 DH pro Tag. Es muß noch geputzt werden, also mache ich einen Trip in die Medina. Es sind viele Tourigruppen unterwegs, die einem Official Guide hinterherlaufen. In der Medersa Attarin ist ein Tor offen. Vielleicht kann ich ja einen Blick durch das Tor rein werfen. Doch, oh Wunder, für 10DH kann man sie sogar besichtigen. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Nach und nach füllt sie sich mit Tourigruppen, ich komme aber noch dazu, Fotos ohne Touris zu schießen.

Weiter geht's in das Getümmel der Medina. Inzwischen ist das Leben erwacht. Im Färberviertel kommt ein Jüngling, der mir eine Terrasse zeigen will, von der aus ich die Färbetöpfe sehen kann. Er läuft neben mir her und belabert mich. Plötzlich rennt er weg und verschwindet in einer dunklen Gasse. Grund dafür dürfte der Mann in einem Kaftan (traditioneller Kleidung) sein, der mir entgegenkommt. Er sagt was zu mir, ich verstehe es aber nicht. Vielleicht hat er auch nur gegrüßt. Der Junge war wohl eine Tourifalle. Eine Stück weiter stehen ein paar Männer. Einer spricht mich an um zeigt auf eine Tür mit Schild: ”Terrasse mit Färberviertelblick”. Und es kommen auch Touris heraus. Wenn die unbescholten rauskommen, sehe ich kein Problem. Ich gehe hoch und komme in einem vollgestopften Lederwarenladen raus. Durch den Laden hindurch kommt man auf eine Terrasse, von der aus man auf die laugengefüllten Pötte sehen kann. Allerdings habe ich mir das ganze größer vorgestellt. Und es stinkt lange nicht so, wie es in sämtlichen Reiseführern beschrieben ist. Das könnte daran liegen, daß jetzt eher Frühling, sprich nicht so heiß ist. Ein Verkäufer würde mir gerne einen Kamelledersitz andrehen.

Mittags hole ich etwas Schlaf nach, gehe noch mal in den Souk, um eine geschnitzte Maske zu suchen, wie ich sie in Ouarzazate gesehen habe, werde aber leider nicht fündig.

Was man hier nicht alles bekommt!

Das,was da auf der Theke rechts so leuchtet sind die Augen geköpfter Schafe, die mein Blitzlicht reflektieren.

Abends schaue ich mir Fès el Jedid an, das Judenviertel. Die Häuser sind komplett anders gebaut, mit Fenstern und Balkonen in Richtung Straße. Hier kann man vielerlei Stoffe und Plastikmüll erstehen.

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© Rafael Bräg